Neues von der FDP
KUBICKI-Kolumne: Tennis, Terror und taktische Militanz
Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb für Cicero Online folgende Kolumne:
Am Samstag um 13 Uhr war Kai Wegner mit seiner Lebensgefährtin Tennis spielen – Stunden, nachdem Linksterroristen einen großen Teil seiner Stadt von der Stromversorgung abgeschnitten hatten. Ein Anschlag, der mehr war als eine Unannehmlichkeit für die Bürgerinnen und Bürger Berlins. Ein Anschlag, der Menschenleben riskierte und wahrscheinlich auch gekostet hat.
Die enorme Gefahrenlage war jedem durchschnittlich intelligenten Menschen mit Zugriff auf einen Wetterbericht unmittelbar klar. Kai Wegner war aber Tennis spielen. „Kopf frei kriegen“, fügte er im Interview mit Jan Philipp Burgard entschuldigend an. Und dass das Handy ja laut gewesen sei. Er sei also erreichbar gewesen. Wer sich bis hierhin fragte, warum Berlin so zögerlich die Großschadenslage ausrief, warum die Stadt sich in einem kommunikativen Vakuum befand, stellte sich danach keinerlei Fragen mehr.
Schwerer wiegt die Dreistigkeit, mit der Kai Wegner die Öffentlichkeit über seinen Einsatz in der Krise belog. Natürlich habe er nicht „die Füße hochgelegt“, ließ er in schlecht gespielter Empörung die Öffentlichkeit wissen. Quasi eingeschlossen habe er sich und sei nur am Telefonieren gewesen.
Wenn man die Chuzpe sieht, mit der der CDU-Chef Berlins Journalisten angelogen hat, wundert man sich auch nicht mehr über die Forderungen seines schleswig-holsteinischen Parteifreundes Daniel Günther, der in verstörender Selbstverständlichkeit seine wahnwitzigen und autoritären Gedanken zur Kontrolle von Medien in der ZDF-Sendung Markus Lanz ausbreitete. Zur Rettung Kai Wegners kommt das freilich zu spät – aber die nächste Krise steht bestimmt schon vor der Tür.
Dabei ist die Tatsache, dass Kai Wegner sich nach einem linksextremen Terroranschlag auf den Tennisplatz verdrückt, geradezu sinnbildlich für den Umgang mit der realen Gefahr von links. „Die größte Gefahr kommt von rechts“, so haben sich viele Politiker nun einmal festgelegt. Als eine Recherche mangelhafter Qualität von einem rechtsextremen Geheimtreffen in Potsdam schrieb, stellten sich die Spitzen des Staates mit Betroffenheitsmiene in die erste Reihe von landesweit organisierten Massendemonstrationen. Wenn Linksextreme einen Anschlag auf Berlins Stromnetz verüben, geht es erst einmal zum Tennisspielen. So ist die politische Lage.
Nun kann man lange darüber streiten, von wo die größte Gefahr ausgeht: von rechts, von links, vom Islamismus. Am Ende spielen solche Festlegungen keine Rolle. Auch der Rechtsextremismus wurde in Deutschland lange heruntergespielt, man denke nur an die lange als „Döner-Morde“ abgetanen rechtsextremen Morde des NSU. Und der islamistische Terrorismus bekommt bis heute nicht die nötige Aufmerksamkeit. Aber was gefährlich ist und was nicht, lässt sich nicht politisch bestimmen. Deswegen sind glaubensbekenntnisartig heruntergebetete Warnungen „vor rechts“ ebenso plump wie nutzlos. Nicht von rechts oder links geht die Gefahr aus, sondern von der Bereitschaft, die Grundlagen unseres Staates und seiner freiheitlich-demokratischen Verfassung gewaltsam zu bekämpfen. Da gibt es kein Recht im Unrecht. Wer diesen demokratischen Minimalkonsens nicht erträgt oder mitträgt, ist kein Demokrat.
Und das führt uns weg von der dilettantischen Performance eines Kai Wegner hin zu Jan van Aken und den Linken. Dieser führte einmal aus, dass linke Straftaten ja dem Gemeinwohl dienten und man da schon einen Unterschied machen müsse. „Taktische Militanz“ nennt man das wohl in den theoretisch stets sehr gut geschulten linken Kreisen.
Das würde die „Vulkangruppe“ sicherlich unterschreiben. Man sieht sich ja im Interesse des Gemeinwohls handeln – vielmehr noch im Interesse des Überlebens der Menschheit. Das Bekennerschreiben besteht jedenfalls aus jenen wirren Versatzstücken von Klimaextremismus und Antikapitalismus, die wir von Linken – aber auch von linken Grünen – nur zu gut kennen. Der Zweck heiligt die Mittel: Das glauben viele Linke, mit deutlicher Fürsprache ihres Bundesvorsitzenden. Da nutzt es auch wenig, dass er gemeinsam mit seiner Co-Vorsitzenden den Brandanschlag verurteilt hat. „Die Geister, die ich rief …“, mag sich der ständig verbal eskalierende van Aken öfter denken. Denn distanzieren mussten sich die beiden Linken-Vorsitzenden auch von den Übergriffen auf den brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner. Auf dessen Haus fand jüngst ein Brandanschlag statt, unter dem Zeichen des roten Dreiecks, mit dem linksextreme Hamas-Anhänger ihre Feinde markieren.
Um das Bild dieser Partei noch rund zu machen, sei auch die Pro-Maduro-Demonstration in Berlin erwähnt, zu der die Linke aufrief. Eine Partei, die im Deutschen Bundestag sitzt, demonstriert für einen skrupellosen und brutalen Diktator. Die Linke, die ja manchmal vor jugendlicher Kraft kaum laufen kann, speist sich in Teilen aus dem antidemokratischen Morast, in dem Diktatoren verteidigt, Terror verharmlost und Menschen bedroht werden. Sie macht sich zum parlamentarischen Arm dieser Menschen, indem sie sich nicht glaubhaft von Gewalt zu distanzieren vermag.
Jan van Aken hat ganz maßgeblich zu dieser Radikalisierung beigetragen. Die Linke war, als sie noch PDS hieß, die Partei des ostdeutschen (Klein-)Bürgertums. Die umbenannte SED hat im wiedervereinigten Deutschland trotz ihrer schweren historischen Schuld, der ungeklärten Fragen zu verschwundenen Milliarden, stalinistischer Strömungen und der ständigen Bagatellisierung der DDR-Diktatur gewisse Grenzen eingehalten. Inzwischen ist eine radikale Enthemmung in Umgang, Form und politischem Anstand eingetreten. Die Linke ist eine gefährliche Partei, und ich halte sie gewiss nicht für eine staatstragende Kraft. Heute, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, muss ich sagen: Das Problem der Linken ist weniger ihre SED-Vergangenheit als ihre Gegenwart.
In der Dauerbeschäftigung mit der AfD bleibt freilich kaum Platz, auch einmal ein Auge auf diese Partei zu werfen. Dabei gibt es beachtliche Parallelen: etwa in der selektiven Verehrung von Despoten, in der sprachlichen Enthemmung und in den verzweifelten Versuchen der Parteispitzen, sich von besonders radikalen Mitgliedern zu distanzieren. Dass diese Beobachtungen in der Öffentlichkeit kaum diskutiert werden, dürfte mit einer weit verbreiteten Sympathie oder Gleichgültigkeit gegenüber linken Antidemokraten in zu vielen Redaktionsstuben zusammenhängen.
Nur ein Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, der Anschlag auf das Stromnetz wäre von rechtsextremen Tätern begangen worden. Glauben Sie, Kai Wegner hätte es politisch überlebt, wenn er sich kurz nach dem Anschlag zum Tennisspielen mit seiner Freundin und Senatskollegin getroffen hätte? Und wie hätte die Berichterstattung ausgesehen? Wir hätten wohl den einen oder anderen Brennpunkt erlebt, in dem man vor allem auch der AfD und ihrem Verhältnis zu Extremisten auf den Zahn gefühlt hätte. Und wo sind eigentlich die „Demos gegen links“?
„Links sein ist doch kein Verbrechen“, werden jetzt manche wutschnaubend denken. Stimmt. Rechts sein aber auch nicht. Als jemand aus der politischen Mitte kann ich beide Seiten aufklären: Die Grenze verläuft an den Rändern an exakt derselben Stelle – dort, wo unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung angegriffen wird. Sie ist in Berlin angegriffen worden. Von Linksextremisten. Das dürfen wir bei aller Empörung über Kai Wegner nicht vergessen. Sein Rücktritt bleibt gleichwohl unausweichlich, wenn in Deutschland jemals wieder ein Mindestmaß an politischer Verantwortlichkeit und Anstand gelten soll.
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HAHN: Zustimmung zum EU-Mercosur-Abkommen stärkt Europas Souveränität und reduziert Abhängigkeiten
Anlässlich der europäischen Einigung auf das Mercosur-Freihandelsabkommen erklärt die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Svenja Hahn MdEP:
„In einer Welt, in der Handel zunehmend als Machtinstrument missbraucht wird, setzt Europa mit Mercosur auf faire und verlässliche Partnerschaften und reduziert Abhängigkeiten von China und den USA. Dieses Abkommen stärkt Europas wirtschaftliche Souveränität. Wir sichern uns zudem besseren Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, die wir für viele moderne Technologien dringend brauchen. Wer Europas Wohlstand, Arbeitsplätze und globale Rolle sichern will, muss das Abkommen unterstützen. Die heutige Entscheidung zeigt, Europa hat tatsächlich den Mut, seine Zukunft selbstbewusst zu gestalten. Ich werde weiter für die notwendige Mehrheit im Europäischen Parlament im Ratifizierungsprozess kämpfen!“
Zum Hintergrund:
Mit den vier Mercosur-Staaten entsteht ein gemeinsamer Markt von rund 700 Millionen Menschen. Bereits heute hängen 756.000 Arbeitsplätze in der EU vom Export in diese Region ab. Durch den Abbau von Zöllen profitieren zentrale europäische Industrien – darunter Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie und Pharma – ebenso wie kleine und mittlere Unternehmen, die neue Exportchancen erhalten. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher werden durch mehr Auswahl und niedrigere Preise profitieren.
HAHN-Interview: Das Mercosur-Abkommen ist eine große Chance für unsere Wirtschaft
Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Svenja Hahn MdEP gab WDR 5 folgendes Interview. Die Fragen stellte Tobias Strauß:
Frage: Ich traue mich ja kaum mehr diese Frage zu stellen, aber könnte es [mit dem Mercosur-Abkommen] heute wirklich klappen?
Hahn: Aktuell gehen wir davon aus, dass es heute eine schriftliche Abstimmung geben wird im EU-Rat. Die Botschafter werden da heute abstimmen darüber und grünes Licht geben für das Mercosur-Handelsabkommen, damit Frau von der Leyen am Montag nach Paraguay fliegen kann zum Unterzeichnen. Und einmal zu den Schutzklauseln für die Landwirte: Die Sorgen der Landwirte wurden sehr ernst genommen.
Frage: Da müssen wir gleich noch mal drüber reden, aber erstmal nochmal die qualifizierte Mehrheit, die dafür benötigt wird: Dafür braucht man ja unbedingt Italien. Da hatte man vor dem 18.12. auch schon gehört, dass die mitmachen. Am Ende wurde es dann doch verschoben. Aber selbst wenn die Italiener heute mitmachen sollten, die Franzosen, die werden ja auf keinen Fall zustimmen. Ist es das wert, Frankreich, also so einen wichtigen Partner, auch deutschen Partner, in der EU zu überstimmen?
Hahn: Aktuell gehen wir davon aus, dass es eine Mehrheit geben wird der Mitgliedsländer. Viele Mitgliedsländer positionieren sich auch sehr klar dafür. Ich habe das Gefühl, die Debatte ist sehr emotional geworden, wobei wir einfach mal auf die Fakten gucken müssen. Für die Landwirtschaft gibt es sehr viele Chancen. Für mögliche Verwerfung gibt es Schutzmechanismen, Ausgleichszahlungen. Und wir müssen einfach mal sagen: Das ist hier unsere große Chance. Im Sommer haben sich alle darüber aufgeregt, dass Donald Trump Zölle erlässt. Alle sagen, wir brauchen mehr Freihandel. Und jetzt haben wir die Chance, mit Partnern in Südamerika ein ganz großes Handelsabkommen abzuschließen – eine große Chance für Geopolitik, eine große Chance für unsere Wirtschaft. Und wenn wir diese Chance nicht ergreifen, dann machen wir uns als Europa aber auch wirklich lächerlich in der Welt.
Frage: Auch auf die Kosten, Frankreich zu überstimmen? Ich stelle die Frage gerne nochmal.
Hahn: Es ist zu Recht eine qualifizierte Mehrheit. Das heißt, es müssen nicht alle Mitgliedsländer dabei sein. In Frankreich ist diese Debatte sehr emotional. Wenn wir auf die Fakten gucken, stecken auch für französische Unternehmen, für die französische Landwirtschaft große Chancen drin, gerade im Bereich Weinbau oder Milchprodukte. Und im Bereich Fleisch, die Sorgen, wenn wir uns die mal angucken, reden wir über Fleisch-Importe, beispielsweise Rindfleisch, von 99.000 Tonnen im Jahr. Das entspricht einem 200 Gramm Steak pro Person, pro Jahr, pro EU-Bürger. Das ist keine Marktverwerfung. Also wenn wir bei den Fakten bleiben und die Emotionen rausnehmen, dann sehen wir keine Marktverwerfungen.
Frage: Das heißt, die Landwirte wollen aus ihrer Sicht einfach zu viel? Denn die sind ja nicht zufrieden jetzt. Sie haben ja gesagt, sie haben die Schutzklauseln reinverhandelt, aber es gibt ja nach wie vor Ärger und es gibt nach wie vor Demonstrationen, auch heute wieder.
Hahn: Ich kann die Sorgen der Landwirte absolut verstehen. Die haben große Angst vor Wettbewerb aus den Ländern. Aber die Problematik, dass wir nicht wettbewerbsfähig sind in Europa, kommt ja daher, dass gerade der Landwirtschaftssektor sehr bürokratisch überreguliert ist. Das heißt, das ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen. Und wenn wir auf die Fakten gucken, muss man auch sagen, Landwirtschaft macht 1,63 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der EU aus, aber erhält 25 Prozent der EU-Gelder aus dem EU-Haushalt. Also das gehört auch zur Seite der Medaille dazu. Die Landwirtschaft hat in vielen Bereichen große Chancen zu profitieren, weil der Mercosur-Markt sehr abgeschottet ist. Und in den Bereichen, wo es Verwerfungen geben könnte, wie Rindfleisch, Geflügel oder Zucker, haben wir sehr starke Schutzklauseln und Ausgleichszahlungen verhandelt, also die Sorgen wirklich ernst genommen. Und an fairen Wettbewerbsbedingungen müssen wir jetzt weiterarbeiten, insbesondere durch Bürokratieabbau.
Frage: Wobei es bei diesen Schutzklauseln die Kritik gibt, dass die möglicherweise zu spät greifen. Das heißt, da kann es sein, dass der Hof schon pleite ist. Aber lassen Sie uns gerne noch auf das Thema Bürokratie kommen, weil darüber haben wir hier auch mit Landwirten gesprochen. Die sagen in der Tat, ja, das ist ein Thema, das macht uns auch wirklich Sorgen und da muss die EU auch ran. Auf der anderen Seite sagen die Landwirte halt auch, mit Mercosur liegen Produkte in den Regalen, wie viele auch immer, die unseren Standards nicht entsprechen. Das ist einfach unfaire Konkurrenz.
Hahn: Ich glaube, da muss man die Angst rausnehmen. Natürlich wird in Mercosur-Ländern zu anderen Bedingungen produziert. Die haben ja auch ganz andere klimatische Bedingungen als wir in Europa. Die brauchen ganz andere Produkte zum Beispiel. Aber es werden in den EU-Markt keine Produkte eingeführt, die unseren Gesundheitsstandards nicht entsprechen. Das ist verboten. Egal, ob es ein Freihandelsabkommen gibt oder nicht. Es gibt ja bereits Handel mit Mercosur. Sie können ja bereits ein argentinisches Steak kaufen, aber eben zu teureren Zöllen. Das heißt, auch jetzt und auch weiter dürfen Produkte nicht eingeführt werden, die unseren Gesundheitsstandards nicht entsprechen und die EU-Kommission hat auch angekündigt, die Kontrollen weiter zu erhöhen und zu intensivieren.
Frage: Stichwort klimatische Bedingungen: Es gibt nicht nur Kritik aus der Landwirtschaft, sondern auch von Umweltschützern. Wenn mehr Rindfleisch exportiert wird, wird mehr Rindfleisch produziert. Dafür wird mehr Wald abgeholzt. Das ist jetzt in Sachen Klimawandel auch nicht so richtig prima.
Hahn: Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass massiv mehr Rindfleisch beispielsweise exportiert wird. Wir reden, wie gesagt, über niedrigere Zollquoten für ein 200-Gramm-Steak pro Person pro Jahr. In den Handelsabkommen ist eine Verpflichtung zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens enthalten, beispielsweise Brasilien verpflichtet sich in dem Abkommen, gegen illegale Abholzungen vorzugehen. Es ist ein Commitment zur Aufforstung des Regenwaldes. Also wenn wir einen Beitrag leisten wollen zur Rettung des Klimaschutzes, ist das sogar unser Hebel in Europa, mit dem Mercosur-Abkommen da einen Unterschied machen zu können. Zumindest mal in Brasilien gibt es ja noch ein paar andere Länder, die beteiligt sind.
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Wegner wird zu einem Problem für Friedrich Merz
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