Neues von der FDP
KUBICKI-Kolumne: Aufruf zu einem Kulturkampf für die Freiheit
Der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb für Cicero Online folgende Kolumne:
Die Freiheit ist unter Druck. Und kaum jemand scheint sich noch ernsthaft dafür zu interessieren. Während der Corona-Pandemie mussten wir erleben, wie der Begriff der Freiheit in einer zuvor kaum vorstellbaren Weise delegitimiert wurde. Nicht erst der offene Widerstand gegen staatliche Maßnahmen galt als unverantwortlich. Schon das schlichte Hinterfragen einzelner Maßnahmen konnte genügen, um ins Abseits gestellt zu werden. Schnell war vom „vulgären Freiheitsbegriff“ die Rede.
Gab es damals zumindest noch Widerspruch gegen diese Umdeutung, hat sich inzwischen eine andere, kaum weniger fatale Vorstellung von Freiheit etabliert: die „Ja, aber“-Freiheit. Oder, um es mit Robert Habeck zu sagen: „Freiheit ist eingewoben in Voraussetzungen, in Institutionen.“
Das ist kein bloßer sprachlicher Zufall. Denn für die Grünen ist die Umdeutung des Freiheitsbegriffs politisch von erheblicher Bedeutung. Ihr politisches Kapital speist sich zu einem beträchtlichen Teil aus der Angst vor Krisen und Katastrophen. Aus Angst lässt sich die „Einsicht in die Notwendigkeit“ immer neuer Einschränkungen ableiten. Und plötzlich soll gerade darin die eigentliche Freiheit liegen.
Der permanente Klimanotstand wird so zum vermeintlichen Freiheitskampf. Das ist eine bemerkenswerte Verdrehung. Wer Menschen permanent vor dem nächsten Notstand warnt, kann ihnen schwerlich gleichzeitig erklären, dass die daraus folgenden Einschränkungen ihre Freiheit vergrößern.
Noch erschreckender als die Angriffe auf die Freiheit ist allerdings die Bereitschaft, sie preiszugeben. Da wird es schnell konkret. Jochen Bittner hat in dieser Woche in der Zeit herausgearbeitet, wie wir gegenüber dem Islam unnötig und auf gefährliche Weise Freiheitsräume aufgegeben haben – und wie tief diese Entwicklung inzwischen in unterschiedliche Bereiche unserer Gesellschaft vorgedrungen ist.
Folgen Sie seinem Beispiel und stellen Sie Ihrer KI einmal zwei Fragen: zunächst nach Witzen über Jesus und anschließend nach Witzen über Mohammed. Die Unterschiede sind aufschlussreich. Die Schere sitzt längst nicht mehr nur in unseren Köpfen. Sie wird zunehmend in die Systeme eingebaut, die unsere Sprache und unser Denken prägen.
Was für ein Wahnsinn.
Wahnsinn ist auch, wie selbstverständlich wir inzwischen akzeptieren, dass Teile des öffentlichen Raums für Frauen faktisch zu No-go-Areas werden. Dass Synagogen und jüdische Schulen unter Polizeischutz stehen. Dass Juden Angst haben müssen, mit Kippa oder Davidstern durch bestimmte Stadtteile zu gehen. Dass antisemitisch motivierte Gewalttaten ebenso zunehmen wie homophob motivierte Übergriffe.
Warum nehmen wir so gleichgültig hin, dass gesellschaftspolitische Errungenschaften, die über Jahrzehnte erkämpft wurden, im realen Leben vor unseren Augen wieder vor die Hunde gehen?
Guido Westerwelle hat in seiner inzwischen legendären Rede auf dem Rostocker Parteitag 2011 daran erinnert, dass Freiheit nicht einfach dadurch stirbt, dass Politiker sie abschaffen. Sie gerät vor allem dann in Gefahr, wenn die Bürgerinnen und Bürger ihr eigenes Immunsystem verlieren – jenes Immunsystem, das sie gegen jede Form der Freiheitsbedrohung wappnen soll.
Wenn man heute sieht, wie klaglos wir bestimmte Entwicklungen zulasten der Freiheit hinnehmen, muss man feststellen: Um dieses Immunsystem ist es schlecht bestellt.
Das zeigt sich inzwischen auch in der Gesetzgebung. Der Inlandsgeheimdienst soll künftig 14-Jährige als Quellen anwerben können und weitreichende Möglichkeiten erhalten, Daten zu manipulieren, zu verfälschen oder zu löschen. Der große Aufschrei bleibt aus.
Noch vor zehn Jahren wäre eine solche Entwicklung kaum vorstellbar gewesen. Heute wird sie vielfach hingenommen, als handele es sich um eine weitere technische Änderung des Sicherheitsrechts. Das ist der eigentliche Skandal: nicht nur, was der Staat inzwischen für möglich hält, sondern was die Bürger inzwischen für hinnehmbar halten.
Es wäre nun leicht, all dies denjenigen anzulasten, die mit Freiheit ohnehin wenig anfangen können. Aber damit würde man sich die Sache zu einfach machen.
Das größere Problem ist, dass diejenigen, die diese Entwicklungen sehen, viel zu lange geschwiegen haben. Denn längst findet ein Kampf um die Deutungshoheit über den Begriff der Freiheit statt. Der Begriff wird entkernt, verdreht und mit immer neuen Bedingungen versehen. Wer sich dagegen wehrt, gilt schnell als vulgär, rücksichtslos oder verantwortungslos.
So entsteht schleichend ein autoritäres Denken, das sich ausgerechnet den Begriff der Freiheit aneignet. Ein neuer deutscher Untertanengeist kommt nicht mehr im Gewand des blinden Gehorsams gegenüber der Obrigkeit daher. Er kommt als moralische Verantwortung, gesellschaftliche Solidarität und vermeintliche Rücksicht auf das große Ganze. Das macht ihn nicht weniger gefährlich.
Das Immunsystem der Bürgerinnen und Bürger ist nicht über Nacht verschwunden. Es wurde in einem langen, zähen Kulturkampf langsam geschwächt. Die Freiheitsverdrehungen von Robert Habeck sind dabei nicht der Anfang dieser Entwicklung. Sie sind eher ihr vorläufiger Endpunkt. Möglich wurde das auch deshalb, weil bürgerlich-liberale Kräfte den Kulturkampf gescheut haben – weil sie ihn für unerquicklich, schmutzig oder unter ihrem Niveau hielten.
Vielleicht ist daran sogar etwas dran. Aber was ist die Alternative? Sich ergeben? Wohl kaum. Freiheit wird zu einem leeren Label, wenn bürgerlich-liberale Kräfte nicht endlich beginnen, ihren Begriff von Freiheit offensiv zu verteidigen. Und zwar gegen alle Kollektivismen – gegen linke ebenso wie gegen rechte. Sie müssen unmissverständlich daran erinnern, dass Freiheit nicht dort beginnt, wo das „Wir“ einen kollektiven Willen formuliert. Freiheit beginnt beim Einzelnen.
Sie ist das Versprechen, selbstbestimmt zu leben. Über das eigene Leben zu entscheiden. Die Kontrolle über die eigenen Angelegenheiten zu behalten. Und sie ist zugleich die Verpflichtung, die Freiheit des anderen zu respektieren.
Das bedeutet auch: Freiheit darf nicht als Freibrief zur Unterdrückung anderer missverstanden werden. Wo freiheitsfeindliche Ideologien den öffentlichen Raum beherrschen und Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung einschüchtern, herrscht keine Freiheit.
Wir sollten uns nicht daran gewöhnen, dass Frauen bestimmte Orte meiden. Dass Juden ihre religiösen Symbole verstecken. Dass Homosexuelle sich in bestimmten Gegenden nicht sicher fühlen. Dass der öffentliche Raum an manchen Stellen faktisch nach den Regeln derjenigen funktioniert, die bereit sind, ihre Vorstellungen mit Einschüchterung oder Gewalt durchzusetzen. Und auch der Ausnahmezustand darf nicht zum normalen politischen Instrument werden.
All das muss man gelegentlich pointiert sagen. Und mit der nötigen Härte. Wer die Freiheit verteidigen will, darf nicht länger leisetreten. Wer aus Angst vor identitätspolitischen Empfindlichkeiten jede klare Aussage vermeidet, überlässt anderen das Feld. Denn wer sich im öffentlichen Diskurs nur noch fragt, wen er mit seiner Position verletzen könnte, wird irgendwann überhaupt keine Position mehr vertreten.
Ich kann und will das nicht.
Und ich bin dankenswerterweise daran gewöhnt, von einer hyperventilierenden linken Öffentlichkeit in irgendwelche Schubladen gesteckt zu werden. Sich davon abhängig zu machen, hieße, sich dem Urteil derjenigen zu unterwerfen, die man eigentlich kritisieren will.
Darum muss der Kampf um den Begriff der Freiheit jetzt aufgenommen werden. Gegen grüne Notstandspropheten. Gegen linke Kollektivisten. Gegen islamistisch motivierte Ansprüche auf den öffentlichen Raum. Gegen völkische Selbstanbetung zulasten anderer. Und gegen die vielen weiteren Brandherde zulasten der Freiheit.
Nehmen Sie den Kulturkampf auf. Für die Freiheit. Und für eine Kultur des gesunden Menschenverstands.
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HÖNE-Interview: Wir erleben einen historisch beispiellosen Autoritätsverlust des Kanzlers
Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Henning Höne MdL gab „rp-online.de“ das folgende Interview. Die Fragen stellte Birgit Marschall.
Frage: Herr Höne, der Bundeskanzler ist stark angeschlagen, weil ihm die eigenen Leute teilweise das Vertrauen entziehen. Nun haben sich die CDU-Ministerpräsidenten gemeinsam hinter ihn gestellt – ein ungewöhnlicher Vorgang. Die AfD ist im Höhenflug. Wie besorgt sind Sie, was die politische Stabilität angeht?
Höne: Wir erleben einen historisch beispiellosen Autoritätsverlust des Kanzlers. Friedrich Merz ist für diesen Autoritätsverlust selbst verantwortlich. Dass die Ministerpräsidenten ihn in ihrer Erklärung nicht einmal namentlich erwähnen, sondern sich lediglich hinter den “Bundeskanzler“ stellen, zeigt, wie schlecht Union und Bundesregierung derzeit dastehen.
Frage: Sie kennen den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst gut, der nun oft als Kanzlerreserve genannt wird. Wäre er der richtige Ersatzkanzler?
Höne: Hendrik Wüst stützt den Wortbruch-Kanzler. Damit trägt auch er Verantwortung für die schlechteste Bundesregierung der letzten 70 Jahre. Hendrik Wüst nimmt das in Kauf, weil ein Kanzlersturz gerade nicht in seine eigenen Karrierepläne passt. In der Krise denkt er erst an sich, dann an die Partei und dann an das Land. Und auch mit Blick auf Nordrhein-Westfalens homöopathisches Wirtschaftswachstum und seine katastrophale schwarz-grüne Bildungsbilanz sage ich: Hendrik Wüst wäre kein guter Kanzler. Deutschland braucht mehr Mut und Tempo bei Reformen.
Frage: Drei Viertel der Deutschen lehnen die Rentenreform ab. Wenn Sie mehr Reformtempo und Mut fordern, widerspricht das doch dem Willen einer Mehrheit.
Höne: Wenn wir bei den sozialen Sicherungssystemen nichts tun, sind sie absehbar nicht mehr finanzierbar. Von einer Bundesregierung erwarte ich nicht, ständig nur das Populäre zu tun, sondern das Richtige. Die FDP will, dass auch kommende Generationen von der Sozialversicherung profitieren. Reformen wurden über Jahrzehnte verschlafen. Wegen der Demografie schließt sich bald das Zeitfenster für wirksame Reformen. Die Regierung muss Reformen erklären und zeigen, wie sich damit schnell Verbesserungen erreichen lassen. Dazu gehört für die FDP eine stärkere Kapitaldeckung, etwa durch eine echte Aktienrente. Dafür braucht es aber keinen Bundeskanzler, der den Menschen sagt: „Hört auf mit der schlechten Laune.“ Gute Stimmung lässt sich nicht verordnen, sondern muss verdient werden. Daran scheitert die Bundesregierung – ebenso wie am Inhalt der Reformen.
Frage: Würden Sie das vorliegende Rentenreformkonzept unverändert umsetzen oder noch ergänzen und verschärfen?
Höne: Es enthält Schritte in die richtige Richtung, über weitere Punkte muss aber gesprochen werden. Die Mütterrente ist vor allem eine Forderung aus Bayern und Experten halten die weitere Erhöhung für zu teuer und sozial unausgewogen. Die Systeme müssen sich rechnen und dauerhaft tragen. Deshalb darf die Mütterrente nicht weiter angehoben werden, diese Entscheidung sollte rückgängig gemacht werden. Und die Minijobs müssen bleiben.
Frage: Viele sagen, das Pflegeproblem sei inzwischen größer als das Rentenproblem. Nun ist von einem Pflege-Soli die Rede. Was halten Sie davon?
Höne: Ein Pflege-Soli der Privatversicherten wäre katastrophal. Die private Pflegeversicherung hat Vorsorge betrieben. Ihre Versicherten zahlen heute mehr ein, als benötigt wird, und sorgen so für das Alter vor. Sie deshalb stärker für ein staatliches System zahlen zu lassen, und sie für die eigene Weitsicht zu bestrafen, wäre eine schreiende Ungerechtigkeit. Wir sollten Elemente der privaten Pflegeversicherung auf die gesetzliche übertragen: mehr Kapitaldeckung, weniger Umlagefinanzierung und stärkere private Vorsorge. Ein Pflege-Soli macht den fetten Staat nur noch fetter, löst aber kein strukturelles Problem.
Frage: Die Aktienrente wird in der geplanten Rentenreform nur möglich, weil die Beitragssätze um zwei Prozentpunkte steigen sollen. Wäre das auch für die Pflege denkbar?
Höne: Nein. Auch bei der Rente wäre Kapitaldeckung ohne Beitragserhöhungen möglich – etwa durch Einsparungen bei versicherungsfremden Leistungen, der Mütterrente oder der Frühverrentung. Auch in der Pflege müssen wir so denken. Das Gesundheitssystem kann ohne Leistungskürzungen schlanker werden. Deutschland gibt im europäischen Vergleich viel aus, erzielt aber oft schlechtere Ergebnisse als günstigere Länder. Deshalb sollten wir Krankenkassen und Pflegekassen verschlanken und frei werdende Mittel für Kapitaldeckung nutzen.
Frage: Die Spritpreise steigen wieder stark. Deshalb werden Forderungen nach einem Preisdeckel und einer Übergewinnsteuer für die Mineralölwirtschaft laut. Wie steht die FDP dazu?
Höne: Eine Übergewinnsteuer zeigt wirtschaftspolitische Hilflosigkeit: Ab wann ist ein Gewinn ein Übergewinn, und wer entscheidet das? Wenn bei den derzeitigen Spritpreisen einer Übergewinne macht, dann ist es Lars Klingbeil. Marktwirtschaftlich überzeugend wären zwei Ansätze: die dauerhafte Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel sowie ein schärferes Kartellrecht, etwa durch eine stärkere Trennung von Raffinerien und Tankstellen. Steuern senken und Kartellrecht stärken – das ist die richtige Antwort. Preisdeckel und Übergewinnsteuer sind dagegen planwirtschaftlich und populistisch.
Frage: Populisten können aber Wahlen gewinnen. Manuela Schwesig etwa könnte mit ihrem populistischen Kurs SPD-Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Ist überhaupt noch die Zeit für vernünftige Argumente?
Höne: Das böse Erwachen kommt dann, wenn man seine populistischen Forderungen plötzlich real umsetzen muss. Ich werde nicht zugunsten vermeintlicher kurzfristiger Gewinne auf vernünftige Argumente verzichten. Die Antwort auf Extreme ist eine klügere Politik.
Frage: Was passiert, wenn die FDP bei den beiden anstehenden Wahlen nicht in die Landtage einzieht?
Höne: Das wäre bedauerlich. Wir führen einen aktiven Wahlkampf, bleiben unserem Kompass und unseren Überzeugungen treu. Die FDP befindet sich weiter in einer existenzbedrohenden Krise. Nach unserer Neuaufstellung arbeiten wir mit voller Kraft daran. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im April werde ich mit der FDP NRW dafür sorgen, dass es wieder stark aufwärts geht.
Linda Teuteberg beim Pilecki-Institut
Podiumsdiskussion mit der stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden Linda Teuteberg.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Pilecki-Institut
Pariser Platz 4A
10117 Berlin
Deutschland
Henning Höne bei der FDP Lüdinghausen
Impuls des stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden Henning Höne MdL.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Burg Lüdinghausen
Amtshaus 14
59348 Lüdinghausen
Deutschland














