Neues von der FDP
KUBICKI-Kolumne: Merz oder die letzte Platzpatrone der Demokratie
Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb für Cicero Online folgende Kolumne:
Diesen Monat jährt sich die letzte Bundestagswahl zum ersten Mal. Friedrich Merz und die Union hatten sie gewonnen und lösten einen gewissen Olaf Scholz im Amt des Bundeskanzlers ab. Dieser Sieg von Friedrich Merz wurde vom Souverän unter ein paar Grundannahmen ermöglicht. Die wohl wichtigste dieser Grundannahmen war, dass Merz für eine andere Politik steht als Scholz: mehr wirtschaftliche Vernunft, weniger Ideologie. Und dass er – dessen Image als „kaltherziger Neoliberaler“ ihn über Jahrzehnte nicht zu beeindrucken schien – genug Nerven hat, diesen Politikwechsel unter dem affektierten Getöse der Hauptstadtpresse durchzuziehen.
Es kam anders. Zunächst schredderte Friedrich Merz die Grundannahme, eine Union unter seiner Führung stünde für eine seriösere Haushaltspolitik als die Linken. Noch mit der bereits abgewählten Bundestagsmehrheit beerdigte er die Schuldenbremse faktisch und machte den Weg frei für Schulden nicht gekannten Ausmaßes. Ein juristisch zulässiges Manöver, das trotzdem vielen Wählerinnen und Wählern als politisch und moralisch schamlos sowie demokratisch fragwürdig erschien.
Wir wissen heute, dass Merz diesen Wortbruch schon vor der Bundestagswahl plante und prüfen ließ, inwieweit er mit einer abgewählten Mehrheit das Grundgesetz noch ändern könne. Zu jener Zeit gab er sich noch als Hüter der Schuldenbremse – wohl nur aus kühlen taktischen Überlegungen heraus, damit die FDP in einem der wenigen Felder, in denen sie nach den traumatischen Ampel-Jahren noch volle Glaubwürdigkeit beim Wähler erwarten durfte, nicht reüssieren konnte.
Es ist schwer zu sagen, was in seinem Kopf vorging, als er diesen beispiellosen, kaltblütig vollzogenen Wortbruch plante. Vermutlich dachte er, dass er mit den erlogenen finanziellen Spielräumen genug Handlungsmöglichkeiten habe, um einerseits die Sozialdemokraten zu bändigen und andererseits die notwendige Reformagenda für Deutschland umzusetzen. So kam es wohl auch zur vollmundigen Ansage, dass nach der Sommerpause 2025 der „Herbst der Reformen“ eintreten werde. Dieser fiel bekanntlich aus. Merz hat – wie auch die FDP zuvor – die destruktive Kraft unterschätzt, die sich in der deutschen Sozialdemokratie inzwischen breitgemacht hat.
Jetzt, ein Jahr nach der Bundestagswahl unter den oben beschriebenen Grundannahmen, muss man festhalten, dass wenig dafür spricht, dass diese Koalition überhaupt noch große Reformen angehen will. Der Kanzler gefällt sich in der Rolle des erfolgreichen Außenpolitikers – eine Rolle, die er tatsächlich besser ausfüllt als sein Vorgänger. Und die SPD macht, was sie schon seit Jahren immer erfolgloser macht: Sie arbeitet an einem neuen Spin für die kommenden Wahlen.
Dazu gehört auch ein neues Grundsatzprogramm, dessen Eckpunkte in Grundsatzreden von Bärbel Bas und Lars Klingbeil vorgestellt wurden und das der JU-Chef Johannes Winkel völlig richtig als „Absage an jegliche Reformen“ klassifizierte. Das Programm beinhaltet vor allem mehr Steuern und Abgaben. Auf Vermögen und Erbschaften zum Beispiel. Und Sozialabgaben auf Kapitalerträge und Mieteinnahmen. Ein einziges Programm zur Förderung der Kapitalflucht aus Deutschland. Die KI solle „Arbeit erleichtern“ und keinesfalls „Menschen überflüssig“ machen. Ganz so, als könne man dem technologischen Fortschritt diktieren, in welche Richtung und wie weit er sich entwickeln kann. Es sind hilflose Sätze mitten in einem historischen Umbruch unserer gesamten Wirtschafts- und Arbeitswelt, die durchblicken lassen, wie wenig man diese historische Dimension begreift.
Ebenso wie man nach dem Auftritt des SPD-Generalsekretärs bei Markus Lanz den Eindruck gewinnen musste, dieser wisse nicht nur nicht die Höhe des Bruttoinlandsprodukts klar zu benennen, sondern er habe vermutlich keine Vorstellung davon, was das BIP überhaupt ist.
Nun ist der Zustand der SPD das eine. Das andere ist, wie die Kanzlerpartei CDU sich von einer komplett dysfunktionalen, inhaltlich entkernten und nur noch in sozialpopulistischen Sprechblasen gefangenen Sozialdemokratie vorführen lässt.
Zur Beantwortung dieser Frage reicht ein Blick auf den CDU-Parteitag in der kommenden Woche. Dort wird zum ersten Mal seit Jahren wieder Angela Merkel zugegen sein. Jene Frau, als deren Gegenentwurf es Friedrich Merz einst zurück auf die politische Bühne drängte. Sie hat zwölf Jahre in einer schwarz-roten Koalition verbracht und dabei peinlich darauf geachtet, dem Land nichts zuzumuten, was ihren Machtanspruch hätte unterlaufen können. Sie ist der personifizierte Reformstau. Ihre Regierungen haben immer gehalten, aber sie haben über bloße Verwaltung hinaus nichts Grundlegendes für das Land erreicht. Die verschlafene Digitalisierung, der desaströse Zustand der Infrastruktur, eine kaum mehr einsatzbereite Bundeswehr: Das ist Teil des politischen Vermächtnisses von Angela Merkel.
Merkels Wiederkehr hat darum einen gewissen Symbolcharakter, der wohl kaum auffallen würde, wenn Friedrich Merz nicht dabei wäre, ihr GroKo-Modell zu adaptieren: verharren statt gestalten. Abwarten statt vorangehen.
Und so wurden zum Parteitag viele inhaltliche Anträge von der Antragskommission entschärft, um keine Konflikte in die Koalition zu tragen. Unabhängig davon, ob der Parteitag am Ende diesen Formulierungen folgt, könnte das Bild eindeutiger nicht sein: Während die SPD auf sozialpopulistischen Krawall setzt, setzt man in der CDU auf Appeasement bis hin zur Selbstaufgabe. Die Merkel-CDU ist zurück. Aber mit ihr ist kein Staat mehr zu machen. Inzwischen hat dieses Land zu viel Substanz verloren, um nach dieser Methode weiter Politik zu betreiben.
Der Reformdruck ist riesig. Die Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft wollen nicht abreißen. Die KI-Revolution verändert gerade die gesamte Welt, und in Deutschland gibt es keine Rahmenbedingungen, die uns auch nur ansatzweise wirtschaftlich oder sozialpolitisch darauf vorbereiten würden. Ich bin mir sicher, dass Friedrich Merz das weiß – und auch, dass er weiß, dass mit der SPD diesen Herausforderungen nicht vernünftig zu begegnen ist.
Markus Söder nannte diese Regierung einmal etwas martialisch „die letzte Patrone der Demokratie“. Er hätte hinzufügen müssen, dass Platzpatronen keine Treffer erzielen können. Friedrich Merz muss sich entscheiden, ob er weiter mit Platzpatronen schießt oder ob er den Führungsanspruch, der ihm nach der Verfassung zusteht, auch gegen eine völlig weltfremde und entrückte Sozialdemokratie durchsetzt. Leider sieht derzeit alles danach aus, als würde er sich – wie seine Vorgängerin – mit schönen Bildern auf der Weltbühne begnügen. Aber weitere Jahre Angela Merkel können wir uns wirklich nicht leisten – auch nicht unter dem Namen Friedrich Merz. Was unser Land jetzt dringend bräuchte, wäre ein Bündnis der Vernünftigen. Mit der Union unter Friedrich Merz wird das leider nicht gelingen.
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RÜLKE-Interview: Eine Alternative zur Fortsetzung einer Regierung aus Grünen und Schwarzen oder umgekehrt gibt es nur mit der FDP
Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, FDP-Präsidiumsmitglied und Spitzenkandidat der Freien Demokraten zur Landtagswahl in Baden-Württemberg, gab dem „Staatsanzeiger“ das folgende Interview. Die Fragen stellte Michael Schwarz.
Frage: Herr Rülke, dies ist nun Ihr dritter Anlauf, die FDP als Spitzenkandidat wieder in die Regierung zu bringen. Was tun Sie, wenn Sie scheitern?
Rülke: Wenn ich in diesem Anlauf die FDP nicht in die Regierung führe, dann werde ich sicherlich nicht einen vierten Anlauf unternehmen. Das dürfen dann Jüngere tun.
Frage: Und wenn Sie am 8. März aus dem Landtag fliegen – was dann?
Rülke: Das wird sich zeigen. Aber ich mache mir keine Gedanken über einen Fall, den ich für sehr unwahrscheinlich halte.
Frage: Der Wahlkampf scheint immer mehr auf ein Duell Hagel–Özdemir hinauszulaufen. Fürchten Sie nicht, dabei medial unter die Räder zu kommen?
Rülke: Dieses Duell scheinen manche herbeischreiben zu wollen. Doch es existiert nicht. Der Rückstand der Grünen auf die CDU ist beträchtlich. Und eines ist klar: Eine Alternative zur Fortsetzung einer Regierung aus Grünen und Schwarzen oder umgekehrt gibt es nur mit der FDP.
Frage: Sie setzen auf eine Koalition mit der CDU, doch danach sieht es im Moment nicht aus. Was machen Sie, wenn es nicht reicht?
Rülke: Wahlergebnisse kann man sich nicht aussuchen. Doch der Wähler darf wissen, was wir uns wünschen. Und am liebsten wäre uns eine bürgerliche Koalition mit der CDU. Es mag durchaus sein, dass das nicht reicht. Wenn es nicht reicht, dann würden wir gerne eine Deutschlandkoalition bilden – gemeinsam mit CDU und SPD.
Frage: Wenn Sie Erfolg haben wollen, wird es kaum reichen, wenn Sie die klassische FDP-Klientel, also die Unternehmer und Freiberufler, ansprechen.
Rülke: Da muss ich widersprechen. Die klassische FDP-Klientel, das sind nicht nur Unternehmer und Freiberufler, sondern alle, die in der Wirtschaft tätig sind. Denn die Beschäftigten eines Unternehmens sind genauso vom unternehmerischen Erfolg abhängig wie der Geschäftsführer oder der Inhaber. Das Verbrennerverbot gefährdet den Arbeitsplatz des Daimler-Mitarbeiters und den Arbeitsplatz des Beschäftigten in der Zulieferindustrie.
Frage: Wie ernst ist die Lage der Wirtschaft in Baden-Württemberg? Befinden wir uns in einer Transformation? Oder wohnen wir gerade ihrem Niedergang bei?
Rülke: Dem Niedergang sicherlich nicht. Es gibt viele Branchen, die nach wie vor stark sind, etwa die Medizintechnik oder viele Bereiche im Dienstleistungssektor. Doch die Automobil- und Zulieferindustrie als Schlüsselindustrie ist in einer Transformationskrise, die allerdings hausgemacht ist – durch Verbrennerverbote und Flottengrenzwerte. Die Transformation hin zu klimafreundlicher Mobilität wäre technologieoffen möglich: mit Elektromobilität, aber auch dem umweltfreundlichen Verbrenner.
Frage: Ist das nicht eher ein Thema für Flugzeuge oder Lkw? Den Verbrenner-Pkw braucht doch auf lange Sicht niemand mehr.
Rülke: Das sehe ich anders. Es gibt viele gute Gründe für Verbrenner-Pkw. Etwa im ländlichen Raum, wo es nicht die notwendige Ladeinfrastruktur gibt. Im Übrigen soll mir mal jemand erklären, wie man die Bestandsflotte klimafreundlich machen will, wenn man synthetische Kraftstoffe, Wasserstoff und erneuerbare Kraftstoffe nur für Flugzeuge einsetzt. Wir werden 2035 noch 1,4 Milliarden Fahrzeuge weltweit mit Verbrennungsmotor haben. Diese werden entweder klimafreundlich fahren oder bis zum Ende ihrer Laufzeit mit Benzin und Diesel.
Frage: Was sagen Sie einem Mittelständler, der früher die FDP gewählt hat und Ihnen verrät, dass er diesmal die AfD wählen will?
Rülke: Den frage ich zunächst mal, was er erreichen will. Wenn er reinen Protest ausdrücken will, würde ich mich wundern. Wenn er – was häufig bei Mittelständlern der Fall ist – die Grünen nicht mehr in der Regierung sehen will, dann kann ich ihm nur energisch davon abraten, AfD zu wählen. Denn je stärker die AfD abschneidet, desto wahrscheinlicher ist, dass keine Regierung ohne die Grünen möglich ist.
Frage: Es mag ja weit hergeholt klingen, aber ist die AfD nicht auch eine Partei, mit der Sie reden könnten? Alice Weidel betont ja immer wieder, dass sie ein Fan des Ordoliberalismus sei.
Rülke: Nein. Die AfD ist eine Partei, deren Landesvorsitzender Emil Sänze erklärt, man lasse Markus Söder leben, obwohl er geistig und körperlich behindert sei. Das ist eine klare Anleihe bei nationalsozialistischen Euthanasieprogrammen. Mit solchen Leuten kann man nicht zusammenarbeiten.
Frage: Der Wirtschaftsflügel der CDU fordert, Mini- und Teilzeitjobs zu streichen, den Bezug des Arbeitslosengeldes zeitlich zu kürzen. Außerdem sollen die Krankenkassen nicht mehr die Kosten von Zahnbehandlungen übernehmen. Was halten Sie davon?
Rülke: Gar nichts. Es ist klar: Wir müssen mehr arbeiten. Wir brauchen eine längere Lebensarbeitszeit, wir brauchen durchaus auch wieder eine längere Wochenarbeitszeit in Zeiten wie diesen. Aber wir brauchen keinen Sozialabbau.
Frage: Die Beamten in Baden-Württemberg arbeiten seit 23 Jahren 41 Stunden pro Woche. Sie wollen endlich weniger arbeiten. Haben Sie dafür Verständnis?
Rülke: Ich denke, dass wir zunächst den ersten Schritt tun sollten, den die derzeitige Regierungskoalition schon lange versprochen hat, aber nicht liefert: die Einführung des Lebensarbeitszeitkontos. Im Zuge dessen könnte man dann durchaus auch wieder auf 40 Stunden kommen. Das sind ja immer noch deutlich mehr als der Durchschnitt der Beschäftigten. Ich wäre dafür, dass generell in Deutschland wieder 40 Stunden in der Woche gearbeitet wird.
Nicole Büttner bei der FDP Ortenau
Die Generalsekretärin der FDP, Nicole Büttner, ist in Kehl zu Gast und spricht zu aktuellen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen. Dabei geht sie unter anderem auf ordnungspolitische Themen sowie auf Rahmenbedingungen für Innovationen im Bereich Künstliche Intelligenz ein.
Um Anmeldung wird gebeten.
Kulturcafé
Am Läger 12
77694 Kehl
Deutschland
Nicole Büttner bei der FDP Freiburg
Rede der FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner.
Um Anmeldung wird gebeten.
Artjamming
Günterstalstraße 41
79102 Freiburg im Breisgau
Deutschland
Christian Dürr beim Landeshauptausschuss der FDP Baden-Württemberg
Grußwort des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Dürr.
Um Anmeldung wird gebeten.
CongressCentrum Pforzheim CCP
Bertha-Benz-Platz 1
75172 Pforzheim
Deutschland
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