Stadtrat

Ihre liberale Stimme im Rat
und in den Ausschüssen

von Meckenheim

Zwischenruf zur liberalen Arbeit nach der Wahl

Die Landtagswahl in NRW vom 15. Mai 2022 hat zu neuen Mehrheitsverhältnissen geführt. Natürlich hätten wir uns ein besseres Abschneiden der FDP gewünscht, aber nun machen wir eben das Beste aus dem Ergebnis. Im Landtag bedeutet das eine konstruktive Oppositionsrolle, um zu verhindern, dass die Erfolge der CDU-FDP-Regierung wieder zurückgedreht werden.

Wir in Meckenheim konzentrieren uns wieder auf die Arbeit im Stadtrat und in den Ausschüssen zur Gestaltung der Zukunft von Meckenheim. Dabei freuen wir uns über Kritik und Anregungen, die wir nach Möglichkeit umsetzen werden.

Heribert Brauckmann, FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzender in Meckenheim

Neues von der FDP

TEUTEBERG-Interview: Unser Zusammenhalt muss größer sein als unsere Probleme

TEUTEBERG-Interview: Unser Zusammenhalt muss größer sein als unsere Probleme Gast (nicht überprüft)

Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Linda Teuteberg gab dem „Deutschlandfunk“ das folgende Interview. Die Fragen stellte Christoph Heinemann:

Frage: Frau Teuteberg, wie entstand, Ihrer Meinung nach, die heute so bezeichnete Ostidentität?  

Teuteberg: Von einem vermeintlichen Volk der Ostdeutschen zu sprechen, das ist erst nach der Wiedererlangung der deutschen Einheit entstanden. Zuvor haben sich die allermeisten Menschen im Osten als Deutsche im geteilten Deutschland verstanden. Damit hielten sie am Zusammengehören fest. Und das galt in der DDR als subversiv. Weshalb ja auch der Text der Hymne mit der Zeile „Deutschland einig Vaterland“ irgendwann nicht mehr gesungen werden durfte. Und wenige andere — selbst innerhalb der SED war das nicht Konsens — haben sich als sozialistische Internationalisten verstanden und die absurde These geteilt, dass es zwei Nationen auf deutschem Boden gäbe, eine kapitalistische und eine sozialistische, die sich wie Feuer und Wasser gegenüberstünden. Das ist eine These, die mit Logik und Semantik auf Kriegsfuß stand. Und das haben selbst in der SED viele gewusst, dass das nicht überzeugen kann. Und je prekärer die Lage wurde, desto offener haben viele Menschen das auch in Frage gestellt. Aber die allermeisten haben sich wirklich immer als Deutsche verstanden und ja nicht freiwillig unter SED-Herrschaft und hinter dem Eisernen Vorhang gelebt. 

Frage: Woraus besteht denn diese, wie Sie sagen, konstruierte Ostidentität? 

Teuteberg: Sie ist insbesondere natürlich von der PDS, die sich in den 90er-Jahren als vermeintlich einzige Anwältin ostdeutscher Interessen inszeniert hat, so bedient worden: dass man benachteiligt würde im Prozess der deutschen Einheit, dass man moralisch überlegen sei. Und diese mystische Identität, die auch etwas mit Vergoldung der Vergangenheit zu tun hat, auch die nicht so aufarbeiten zu wollen, die hat später dann auch die AfD aufgegriffen und bewirtschaftet. Aber das hat eben vorher die PDS und dann die Linke auch schon lange getan, das Trennende zu betonen und vor allem alles ständig durch einen Ost-West-Gegensatz zu sehen. Was übrigens davon ablenkt, dass es ja unter den Ostdeutschen auch einen ganz unterschiedlichen Blick auf die Zeit der Diktatur gibt und auch unterschiedliche Meinungen, dass sie eben kein homogenes Kollektiv sind. Das ist eine Vereinnahmung der Menschen im Osten unserer Republik, die auch Individuen sind, mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Meinungen. 

Frage: Immerhin werden inzwischen Bücher darüber geschrieben. Warum ist diese, wie Sie sagen, diese Konstruktion denn so erfolgreich? 

Teuteberg: Zum einen, weil durch immer wieder auch abwertendes Sprechen über Menschen aus dem Osten unserer Republik diese mystische Identität tatsächlich bestätigt und verfestigt wurde, nachdem sie zuvor mit einem politischen Kalkül erfunden wurde. Und dann entfaltet das Wirkung und es ist ein erfolgreiches politisches Geschäftsmodell, wie man an diesen Parteien der politischen Ränder sieht. Und sie bedient übrigens eine zutiefst populistische Sehnsucht nach Eindeutigkeit, Debatten über wichtige Themen nicht an der Sache zu führen, sondern über einen Ost-West-Gegensatz. Und dafür ist diese aktuelle Debatte, die ja durch den Vorstoß von Ostministerpräsidenten zum Thema Rentenreform nochmal angefacht wurde, ein Beispiel. 

Frage: Frau Teuteberg, inwiefern haben gemeinsame Erfahrungen, die es ja gab, wie zum Beispiel die DDR-Jugendweihe, nicht doch Menschen geprägt und eine Identität entstehen lassen? 

Teuteberg: Natürlich gibt es unterschiedliche Erfahrungen, wenn man unter einer Diktatur oder in einem demokratischen Rechtsstaat gelebt hat. Aber auch diese Erfahrungen kann man sehr unterschiedlich empfunden haben und sie können sich auch sehr unterschiedlich auswirken. Man kann durch das Leben unter einer Diktatur autoritätsaffiner sein, man kann aber auch tatsächlich besonders sensibel sein für Freiheitsgefährdungen. Man kann übersteigerte Erwartungen an den Staat entwickeln. Man kann aber auch ein geschärftes Verständnis dafür haben, dass nicht alles in staatlicher Hand sein sollte. Dass zum Beispiel Planwirtschaft zu Mangel und Verschwendung gleichzeitig, zu Umweltzerstörung, zu mangelndem Wohnraum und vielem anderen führt. Man kann ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen daraus ziehen. Und es lenkt uns ab von wichtigen Debatten. Denn es ist ja nicht so, dass einem zu 100 Prozent reformbereiten Westen in Deutschland ein blockierender Osten entgegenstünde, sondern es gibt in beiden Teilen des Landes Menschen mit unterschiedlichen Einschätzungen. Der DGB zum Beispiel ist nicht ostdeutsch dominiert und macht trotzdem gegen durchaus sinnvolle, wichtige Reformen Front. Wir müssen die Debatte in der Sache führen, aber respektvoll unter Gleichen. Das Thema tatsächlicher oder vermeintlicher Fremdheit unter den Deutschen ist viel zu ernst, als dass man es übertreiben dürfte. Wir haben so große Herausforderungen. Wir sind von innen und außen bedroht in unserem freiheitlichen Zusammenleben. Da muss unser Zusammenhalt größer sein als unsere Probleme. 

Frage: Die Migration des vergangenen Jahrzehnts hat einen Teil der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland verunsichert. Mit welchen Folgen für die heutige Diskussion über deutsche Identität? 

Teuteberg: Migration ist einer der Hauptgründe für Verunsicherung, für gesellschaftliche Verwerfungen und auch für einen Teil unserer Bevölkerung das Motiv, die AfD zu wählen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir zu einem sachlicheren Diskurs darüber kommen. Es besorgt mich seit Langem, dass die Worte des frühen Bundespräsidenten Joachim Gauck „Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind endlich“, gefallen schon im September 2015, so selten auch Eingang in unsere Debatte gefunden haben. Dass wir sachlich darüber sprechen können, dass es aus verantwortungsetischen Gründen auch eine Ethik und Strategie der Begrenzung von Migration braucht. Nicht zuletzt damit Menschen, die tatsächlich unseres Schutzes bedürfen oder die wir nach Regeln eines Einwanderungsgesetzes als Arbeitsmigranten in unser Land einladen, auch Akzeptanz finden und damit Integration möglich ist. Das ist auch eine Frage der Kapazitäten, und zwar nicht nur materiell, sondern auch kulturell und gesellschaftlich. Und ich finde, da müssen wir dringend besser werden. 

Frage: Wie ist zu erklären, dass ein Teil der Bevölkerung hier in Deutschland sich Putins Diktatur und dem russischen Untertanenstaat nahfühlt? 

Teuteberg: Ich glaube, dafür gibt es auch sehr viele Gründe und umso mehr müssen wir die Debatte gesamtdeutsch führen. Das ist graduell unterschiedlich verteilt in Ost- und Westdeutschland. Aber auch im Westen unserer Republik gibt es viele prominente Namen, da muss ich nicht von Gerhard Schröder über Oskar Lafontaine, Margot Käßmann, Alice Schwarzer nennen, die auch hier nicht an der Seite der Ukraine-Solidarität, der Westbindung, des Engagements in NATO und EU sind. Das hat zum einen zu tun mit blinden Flecken unserer Erinnerungskultur. Ein Beispiel dafür ist der 23. August, der Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes einerseits und auch des baltischen Weges, wo unsere Nachbarn im Baltikum gezeigt haben, 1989 mit einer großen, hunderte Kilometer langen Menschenkette ihren Willen zu Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Also die blinden Flecken in unserer Erinnerung, die Bedeutung, was mit dem Hitler-Stalin-Pakt über unsere mittel- und osteuropäischen Nachbarn gekommen ist, wie Polen geopfert wurde in einem Pakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion, diese blinden Flecken, die teilen sich leider auch große Teile unserer Gesellschaft in Ost und West brüderlich und schwesterlich. Und die Debatte darum, wie wir Frieden sichern, dass wir den nicht sichern, indem wir Aggressoren beschwichtigend entgegentreten. Diese Debatte, finde ich, müssen wir mit Respekt gesamtdeutsch führen. 

Frage: Welche Rolle spielt Freiheit für die Identität unserer Gesellschaft? Und wo ist diese Freiheit möglicherweise eingeschränkt oder sogar in Gefahr? 

Teuteberg: Freiheit ist ein ganz wichtiger Wert in unserem Grundgesetz. Aus guten Gründen nach der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges und des Zivilisationsbruchs der Shoah, der von Deutschland ausging. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben aus gutem Grund in Artikel 1 Absatz 1 die Würde und Freiheit des Einzelnen ganz nach vorn gestellt. Und ich finde, daran sollten wir in heutigen Debatten wieder mehr denken, wo von rechts und links das Kollektiv beschworen wird, sehr viel wieder dem Staat übertragen werden soll und eigentlich auch oft Freiheit und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit von Freiheitseinschränkungen zu etwas lächerlichem, ehrenrührigem, vulgärem diffamiert wird. Dem müssen wir deutlich widersprechen und wieder auf das verantwortliche und zur Vernunft fähige Individuum abstellen.

Über Ostidentität, Migration und Freiheit

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KUBICKI-Kolumne: Die gefährliche Normalisierung staatlichen Versagens

KUBICKI-Kolumne: Die gefährliche Normalisierung staatlichen Versagens Gast (nicht überprüft)

Der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb für Cicero Online folgende Kolumne:

Wir erleben seit Jahren an vielen Stellen Dinge, die auf ein strukturelles Problem des Staates beim Vollzug seiner originären Aufgaben hindeuten. Das Wort „Staatsversagen“ ist in diesem Zusammenhang natürlich schnell zur Hand, aber allzu oft ist dieser Befund nicht übertrieben. In keinem Bereich ist die staatliche Dysfunktionalität seit über einem Jahr so breit diskutiert worden wie in der Migrationspolitik. Und trotzdem hat sich zu wenig geändert. Während Deutschlands Redakteure im Vorfeld der Sachsen-Anhalt-Wahl ihr Publikum mit spektakulären Thesen zu den Gründen des Aufstiegs der AfD beglücken, bleibt ein Grund so banal wie offensichtlich: die verfehlte und teilweise katastrophale Migrationspolitik der letzten Jahre.

Man darf sich natürlich die Frage stellen, warum so viele Menschen ausgerechnet einer chaotischen Gurkentruppe wie der AfD die Lösung des Problems zutrauen und den anderen Parteien nicht mehr. Die Antwort darauf dürfte schmerzlich sein, weil ich nicht glaube, dass man der AfD in der Breite eine besondere Problemlösungskompetenz zuspricht. Vielmehr wurde die Migrationspolitik in einem Maße von der Politik vermasselt, dass viele Menschen glauben, sie könnten diesen Befund nicht anders artikulieren als durch die Wahl der AfD. Und obwohl die Diagnose einer verfehlten Politik inzwischen wirklich beim Letzten angekommen sein müsste, reißen die Nachrichten nicht ab, die bei jedem Bürger mit klarem Verstand einfach nur Kopfschütteln und Entsetzen auslösen.

Ein aktuelles Beispiel sind die Berichte über das Ausländeramt in Köln, das die Abschiebung von 471 Ausreisepflichtigen hintertrieben haben soll. 200 davon sollen in ein „Bleiberechtsprojekt“ des Landes Nordrhein-Westfalen überstellt worden sein, obwohl bei 119 polizeiliche Erkenntnisse vorgelegen haben sollen. Der Irrsinn hinter dem Skandal zeigt sich manchen erst auf den zweiten Blick: Ein „Bleiberechtsprojekt“ für Ausreisepflichtige? Das ist ungefähr so, als gäbe es ein staatliches Bauprojekt zur Legalisierung illegaler Schwarzbauten im Naturschutzgebiet. Das ist schlicht nicht vermittelbar.

Und gleichzeitig schüttelt man immer wieder den Kopf, wenn es Berichte darüber gibt, dass ausgerechnet die gut integrierten und arbeitenden Menschen mit größter Vehemenz von den Ausländerbehörden verfolgt werden. Kriminelle ins Bleiberechtsprojekt, gut Integrierte in den Abschiebeflieger? Das ist zumindest auch eine Realität in Deutschland und weit mehr als eine Einzelfallbeschreibung, was schon der schiere Umfang des Kölner Falles zeigt.

Aber auch außerhalb der Migrationspolitik gibt es systemische staatliche Defizite, die das elementare Gerechtigkeitsempfinden eines jeden Menschen berühren müssen, ohne dass die Politik hierauf reagiert. Hierzu gehört die Tatsache, dass in Deutschland immer noch Grundsicherung gezahlt wird, obwohl der Leistungsempfänger per Haftbefehl gesucht wird. Ja, auch das ist eine Realität in Deutschland. Sie ist bekannt und wurde sogar schon von der Bundesregierung adressiert. Passiert ist aber: nichts.

Verantwortlich gemacht wird dafür – wie so oft, wenn die Union oder die SPD etwas nicht auf die Kette bekommen – der Datenschutz. Das ist natürlich nur eine ziemlich hanebüchene Argumentation. Unsere Rechtsordnung ist gespickt mit allerlei Mitteilungspflichten von Behörden untereinander. So auch das SGB X, in dessen § 68 es unter anderem um die Übermittlung von Daten an Polizei, Gerichte und Strafbehörden geht. Es wäre wirklich ein Klacks, diese Vorschrift anzupassen. Inzwischen dürfen Waffenbehörden auf Verdachtserkenntnisse der Verfassungsschutzbehörden zugreifen, aber die Information über einen Haftbefehl eines deutschen Gerichts soll am Datenschutz scheitern? Das ist wirklich lächerlich. Der Grund für das Versagen ist nicht „der Datenschutz“, sondern legislativer Unwille oder Unfähigkeit.

Dass solche Umstände trotz besserer Erkenntnis nicht abgestellt werden, ist wie ein Brandbeschleuniger für die um sich greifende Entfremdung zwischen staatlichen und politischen Institutionen einerseits und den Bürgerinnen und Bürgern andererseits. Zumal auch völlig unterschiedliche Maßstäbe zu gelten scheinen.

Wer einem per Haftbefehl gesuchten Verurteilten als Privatperson den monatlichen Lebensunterhalt bestreiten würde und so das Untertauchen überhaupt erst ermöglichte, sähe sich völlig zurecht mit dem Vorwurf der Strafvereitelung nach § 258 StGB konfrontiert. Beim Staat nimmt man denselben Sachverhalt einfach so hin. Da gibt es nichts zu erklären und nichts zu rechtfertigen. Und jeder, der das versucht, muss wirken, als verhöhne er die Bürgerinnen und Bürger.

Die dumme, in Medien und Politik verbreitete Angewohnheit, Dinge zu rechtfertigen, die nicht zu rechtfertigen sind, war ebenso dankbares Futter für jeden Populisten. Man schützt das Vertrauen in die Demokratie nicht, indem man mündige Bürger behandelt wie kleine Kinder, die die volle Wahrheit nicht vertragen können. Man beschädigt dieses Vertrauen vielmehr, weil man unter Beweis stellt, dass man in Wahrheit gar nicht an die Mündigkeit der Menschen glaubt.

Ohne diese Mündigkeit gibt es aber keine echte Demokratie. Ich wäre dankbar, wenn das der eine oder andere selbst ernannte Retter der Demokratie verstehen würde. Dann wäre unserem Gemeinwesen viel geholfen.

Noch mehr wäre uns geholfen, wenn unhaltbare Zustände auch wieder wie unhaltbare Zustände behandelt würden – indem man sie einfach konsequent abstellt.

Über die Gefahr des Staatsversagens.

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KUBICKI-Interview: Demokraten weichen nicht, sie setzen sich auseinander

KUBICKI-Interview: Demokraten weichen nicht, sie setzen sich auseinander Gast (nicht überprüft)

Der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki gab dem Nordkurier das folgende Interview. Die Fragen stellte Stefan Meetschen.

Frage: Herr Kubicki, Sie sind derzeit als Wahlkampfhelfer in Ostdeutschland unterwegs. Was sind Ihre Eindrücke?

Kubicki: In Sachsen-Anhalt ist die Stimmung extrem unentschieden, viele sind unentschlossen. Umfragen lagen bei den letzten Wahlen zum Teil um zehn Punkte daneben. Ich erlebe vernünftige Leute – auch Unternehmer, Handwerker, Ärzte, Anwälte –, die diesmal AfD wählen wollen. Nicht aus Überzeugung, sondern aus dem Gefühl: Es muss ein Knall passieren. Das treibt mich um.

Frage: Was sorgt Sie mehr: der absehbare AfD-Erfolg oder dass der FDP kein Knall-Effekt zugetraut wird?

Kubicki: Mich beunruhigt, dass viele nicht mehr an die Problemlösungskompetenz der Politik glauben. Das ist ein Demokratieproblem und führt zur Abwanderung zu Extremen. Menschen verlieren Sicherheit, etwa wenn Arbeitsplätze perspektivisch wegfallen.

Frage: Wie beruhigen Sie die Leute?

Kubicki: Deutschland ist stark, aber wir brauchen Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Seit acht Jahren gibt es kein echtes Wachstum. Uns fehlen rund 100 Milliarden Euro an Einnahmen. Die Energiepreise sind doppelt so hoch wie in den USA, viermal so hoch wie in China – energieintensive Branchen können so nicht wettbewerbsfähig produzieren. Viele Unternehmen investieren daher in den USA. Die Bürokratie in Deutschland wächst trotz Abbauversprechen. Es gibt immer neue, absurde Regelungen. Beispielsweise die Verpackungsverordnung, die viele Unternehmen massiv belastet.

Frage: Das klang jetzt nicht so beruhigend.

Kubicki: Das sind die Fakten. Um Probleme lösen zu können, muss man sie kennen und aussprechen. Die Beruhigung kann dann später mit dem Erfolg kommen.

Frage: Die Grünen setzen in Mecklenburg-Vorpommern auf eine Zweitstimmen-Kampagne. Warum nicht Ihre Partei?

Kubicki: Weil wir anders als viele Mitbewerber auf Inhalt setzen. Zweitstimmenkampagnen haben sich im Übrigen auch abgenutzt. Entscheidend ist, dass die Wähler verstehen, dass die Zweitstimme die Parlamentszusammensetzung bestimmt.

Frage: Welchen Umgang mit der AfD pflegt die FDP im September dieses Jahres?

Kubicki: In der Sache streiten, nicht denunzieren. Viele AfD-Wähler kamen früher aus anderen Parteien. Die Ausgrenzung hat diese Partei eher gestärkt. Wir sollten programmatische Widersprüche aufzeigen, statt moralisch zu isolieren. Auch über den September hinaus.

Frage: Was waren bisher die größten wirtschaftspolitischen Fehler der Bundesregierung und was würde eine FDP in der Regierung anders machen?

Kubicki: Wir würden sofort ein sehr umfassendes Steuerentlastungskonzept umsetzen. Eine sofortige Steuerentlastung von ungefähr 31 Milliarden Euro für Unternehmen und Bürger, gegenfinanziert unter anderem durch eine temporäre Kürzung der Entwicklungshilfe um 20 Milliarden. Auch bei Subventionen kann viel gespart werden. Wir brauchen ein klares Wachstumssignal. Die jetzige Regierung macht es anders. Eine Unternehmenssteuerreform wird versprochen und verschoben – das zerstört Planbarkeit. Die jüngste Steuerreform dagegen entlastet faktisch niemanden.

Frage: Würden Sie das Thema Migration auch offensiv angehen?

Kubicki: Ja. Probleme zu verschweigen, schafft Frust. Beispiele wie nicht vollzogene Abschiebungen, Integrationsprogramme für Ausreisepflichtigen inklusive Straftätern wie jüngst in Köln oder nicht durchgesetzte Rechtsstaatsmaßnahmen untergraben das Vertrauen der Bürger in die Demokratie. Wir wollen Zuwanderer, die arbeiten und sich integrieren. Eine reine Sozialmigration lehne ich ab.

Frage: Das klingt wie Friedrich Merz vor der Bundestagswahl. Was wären denn Ihre Lösungen?

Kubicki: Integration beginnt mit Sprache. Es war ein Fehler, eine Einbürgerung ohne Deutschkenntnisse zu ermöglichen. Kein Kind sollte ohne ausreichend Deutschkenntnisse eingeschult werden. Was soll sonst auch aus diesen Kindern werden? Schulen brauchen auch Ordnung und Schutz. Auch hier muss der Rechtsstaat durchgreifen.

Frage: Warum tut er es nicht? Fehlt der politische Wille?

Kubicki: Bei manchen Politikern auf jeden Fall. Die Linke in Berlin hält Einbürgerungstests für diskriminierend. Ein Pass ohne Voraussetzungen führt zu Parallelgesellschaften. Deutschland darf nicht Verhältnisse wie in manchen französischen Banlieues entwickeln. Klare Regeln und Integration sind nötig.

Frage: Der Spitzenkandidat der FDP Berlin, Christoph Meyer, hat neulich in einer Moschee für Aufsehen gesorgt, weil er auf Verbindungen der Moscheeleitung zur Hamas hinwies. Alles richtig gemacht?

Kubicki: Es war vollkommen richtig von Christoph Meyer, dort hinzugehen und klar Position zu beziehen. Demokraten weichen nicht, sie setzen sich auseinander – das gilt übrigens auch gegenüber der AfD.

Frage: Auch gegenüber Russland?

Kubicki: Russland hat mit dem Überfall auf die Ukraine das Völkerrecht und Verträge gebrochen. Wir müssen der Ukraine bei der Verteidigung ihres Landes unbedingt helfen. Zugleich brauchen wir niederschwellige Gesprächskanäle für den „Day After“. Selbst im Kalten Krieg gab es Dialogfäden mit Moskau. Ohne sie eskalieren Krisen leichter. 

Frage: Was für eine Stimmung nehmen Sie in der Gesellschaft wahr, wenn es um diese Spannungen geht?

Kubicki: Viele fürchten eine Eskalation. Im Osten ist die Kriegsangst stärker. Wir müssen unbedingt Eskalationslogiken vermeiden. „Wer auf eine Leiter steigt, muss auch wissen, wie er wieder herunterkommt“ hat Hans-Dietrich Genscher mir einmal gesagt. Er verstand etwas von Außenpolitik, Diplomatie und Deeskalation.

Frage: Was treibt Sie mit 74 Jahren an, immer noch Politik zu machen?

Kubicki: Nach 55 Jahren Mitgliedschaft will ich die FDP als ernsthafte Kraft erhalten. In 15 Wochen haben wir uns in Umfragen verdoppelt. Wiedereinzüge in den Landtag in Sachsen-Anhalt oder ins Abgeordnetenhaus in Berlin wären das Sahnehäubchen, aber wir bleiben in jedem Fall dran. Wir müssen wieder präsent sein. Wir dürfen nicht schweigen und zu allen Themen sprechen. Linda Teuteberg und andere machen das ganz hervorragend. Wir sind eine junge Partei mit einem alten, junggebliebenen Vorsitzenden.

Frage: Zum Schweigen oder Sprechen gehört Freiheit. Warum macht die FDP nicht mehr aus ihrem Markenkern?

Kubicki: Wir setzen uns für die Freiheit jedes Einzelnen ein. Kollektivistische Freiheitsbegriffe – ob rechts oder links – lehnen wir allerdings ab.

Frage: Und wenn im Osten Angst vor der Freiheit Marke FDP besteht?

Kubicki: Viele genießen die Freiheit, zugleich wächst die Sorge vor staatlicher Übergriffigkeit und eingeschränkter Meinungsfreiheit, verstärkt seit Corona. Debatten, ob man mit AfD-Wählern befreundet sein darf, empfinden viele als übergriffig.

Frage: Wollen Sie für diese Menschen ein Anwalt sein?

Kubicki: Ja.

Frage: Als „zweitgefährlichster Mann Deutschlands“?

Kubicki (lacht): Solche Etiketten sind absurd. Während Clankriminalität und Alltagsgewalt real sind, sollten Journalisten keine Energie darauf verschwenden, mich oder andere in so einer Form zu dämonisieren.

Frage: Wie würden Sie selbst Ihre politische Agenda zusammenfassen?

Kubicki: Ich kämpfe für ein Land, das mir den Aufstieg aus einfachen Verhältnissen ermöglicht hat. Deutschland ist ein großartiges Land– das soll so bleiben. Wir müssen alles tun, um negative Trends zu stoppen, Chancen für unsere Kinder und Enkel zu sichern und Freiheit, Wohlstand und Sicherheit zu bewahren.

Über den Wahlkampf im Osten.

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Linda Teuteberg beim FDP-Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf

Linda Teuteberg beim FDP-Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf Gast (nicht überprüft)

Diskussionsabend mit der stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden Linda Teuteberg zum Thema „Freiheit unter Druck“.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Bootshaus Bolle
Am Großen Wannsee 60
14109 Berlin
Deutschland

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei den Technology Talks Austria 2026

Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei den Technology Talks Austria 2026 Gast (nicht überprüft)

Podiumsdiskussion mit dem FDP-Präsidiumsmitglied und der Leiterin der FDP-Delegation im Europäischen Parlament, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdEP.

Weitere Informationen finden Sie hier.

MuseumsQuartier Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien
Österreich

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